"Wenn die Geschichte lebendig bleibt ..."

Die Auschwitzüberlebende Erna de Vries hat auf Einladung des Gymnasium Melle und der Ratsschule Melle am Montag vor den Zeugnisferien über ihre Erfahrungen als Jüdin zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland berichtet.

Die 93 Jahre alte Zeitzeugin erzählte im fast voll besetzten Festsaal am Schürenkamp Begebenheiten aus ihrer Jugend: von Ausgrenzungen und Beschimpfungen, die sie während ihrer Schulzeit erlebt hat, von der Reichspogromnacht, in der die Wohnung ihrer Familie verwüstet und sämtliche Einrichtung zerstört wurde und von der Deportation, die eigentlich zunächst nur ihrer Mutter gelten sollte. Aber Erna de Vries wollte sie nicht im Stich lassen und bat und bettelte so lange und beharrlich, bis man auch sie mit auf die Deportationsliste nach Auschwitz setzte und mitfahren ließ.
Dass sie dort in letzter Minute vor der Vergasung gerettet wurde, erscheint wie ein Wunder und erklärt sich vielleicht nur dadurch, dass die Nationalsozialisten die Massenvernichtung der Juden nach  einer  menschenverachtender Pseudobürokratie betrieben. Diese besagte in Erna de Vries` Fall: Sie hatte nur einen jüdischen Elternteil und war daher für die Vernichtung durch Gas nicht vorgesehen.
Ob sie denn nach dem Krieg noch einmal nach Auschwitz zurückgekehrt sei, wollte eine Schülerin nach dem Vortrag wissen. „Ja“, antwortete Erna de Vries, aber sie habe es dort nicht lange ausgehalten und wolle den Ort nie wieder betreten. Diese und weitere Fragen, für die die Zeit am Ende der Veranstaltung viel zu kurz erschien, zeigten das große Interesse der Zuhörer im fast voll besetzen Festsaal. „Die waren ,mucksmäuschenstill`“, stellte Frau de Vries nach dem Vortrag selbst fest. Das allerdings war dem eindrücklichen Bericht einer Frau zu verdanken, der großer Respekt dafür gebührt, dass sie sich in hohem Alter immer wieder ihren für uns kaum fassbaren Jugenderfahrungen stellt und sie an heutige Jugendliche weitergibt, um die Erinnerung an die ca. 6 Millionen Juden wachzuhalten, die im Gegensatz zu ihr nicht mehr von dem Leid und dem Schrecken berichten können, den sie erlebt, aber nicht überlebt haben.

Einen Eindruck zu dieser wichtigen Veranstaltung vermittelt auch das folgende Video:

Das Video wurde von Marek Marjewsky von der Neuen Osnabrücker Zeitung produziert.